Das Schleitheimer Täuferbekenntnis 3
aber die Christen send gewapnet mit dem harnisch Gottes / mit warheit / gerechtigkeit /
fried / glauben / heil / und mit dem wort Gottes. In summa / Was Chistus unser heupt auff
uns gesinnet ist / das alles sollen die glieder des leibe Christi durch in gesinnet sein / damit
keine spaltung in dem leib sey / dardurch er zerstöret werde / denn ein igliches reich das in
im selbs zerteilt ist / wird zerstöret werden. So nun Chrisus also ist / wie von im geschrieben
stehet / so müssen die glieder auch also sein / damit sein leib ganz und einig bleib / zu
seiner selbes besserung und erbawung.
Zum siebenden / seind wir vereiniget worden von dem eyd /also / Der eyd ist ein
befestigung unter denen / die da
zancken / oder verheissen / und ist im Gesatz geheissen worden / das er sol geschehen / bey
dem namen Gottes / allein war hafftig / und nit falsch. Christus der die vollkommenheit des
Gesatzes leret / verbeut den seinen alles schweren / weder reche noch falsch / weder beym
Himel / noch bey dem Erdreich / noch bey Jerusalem / noch bey unserm Haupt und das
umb der ursach willen / wie er bald hernacher spricht / Dann ir mögen nicht ein haar weis
oder schwarz machen. Sehend zu / darumb ist alles schweren verbotten / dan wir mögen
nicht / das in dem schwerenverheissen wirt / erstatten / dieweil wir das aller geringst an uns
/ nit mögen endern.
Nun sind etlich / die dem eynfeltigen
gebot Gottes nicht glauben geben / sonder sie sagen unnd fragen also / Ey nun hat Gott dem
Abraham geschworen / durch sich selbs / dieweil er Gott was / (da er im verhies / das er im
wol wölt / und wölt sein Gott sein / so er seine gebot hielt ) warumb solt ich dann nicht auch
schweren / so ich einem etwas verhies: Antwort / Höre was die Schrifft sagt / Gott da er wolt
den erben der verheissung uberschwencklich beweisen / das sein rath nicht wancket / hat er
einen Eyde darzwischen gelegt / auff das wir durch zwey unwanckliche ding ( dardurch es
unmöglich ist / das Gott liege) ein starken trost haben. Merck den Verstand dieser geschrifft /
Gott hat gewalt zu thun das er dir verbeut / dann es ist
im alles müglich. Gott hat dem Abraham geschworen einen eid / sagt die Schrifft / darumb
das er beweise / das sein rhat nicht wancket / das ist / Es mocht im niemand seinem willen
understahn und hindern / und darumb mocht er den eid halten / Wir aber mögen nichts /
wie droben von Christo gesaget ist / das wie den halten oder leisten / darumb sollen wir
nichts schweren.
Nu sagen etlich weiter also / Es sey nit bey Gott verbotten zu schweren / in dem newen
Testament / und doch im alten gebotten / Sonder sey allein bey den Himel / Erdrich /
Jerusalem / und bey unserm Haupt verbotten zu schweren. Antwort / höre die Schrifft / Wer
da schweret bey dem Himel / der schweret
beydem stul Gottes / und bey dem der darauff sizet. Merck / schweren bey dem Himel / ist
verbotten / der nu ein stul Gottes ist / wie viel mehr ist verbotten bey Gott selbs? Ir narren
und blinden / was ist grösser / der Stul oder der darauff sizet?
Noch sagen etlich / wann nu das unrecht ist / wann man Gott zu der warheit braucht / so
habe Apostel Petrus und Paulus auch geschworen. Antwort / Petrus und Paulus zeuge allein
das / welches von Gott dem Abraham durch den eid verheissen was / und sie selbs
verheissen nichts / als die exempel klar anzeigen. Zeugen aber und schweren ist zweierley /
Dann so man schweret / so verheisst man erst künfftig ding / wie
dem Abrahe Christus verheissen ist worden / welchen wir lange zeit hernach entpfangen
haben. So man aber zeuget / so zeyget man an das gegenwertig / ob es gut oder bös sey / wie
der Simeon von Christo zu Maria sprach unnd zeuget / Sihe / dieser wirt gesezt zu einem fall
und aufferstehung vieler in Israel / und zu einem zeichen dem widersprochen wirt.
Dergleichen hat uns Christus auch gelert / da er sagt / Ewer rede sol sein ja / ja / und nein /
nein / dann was uber das ist / ist von argem. Er sagt / Ewer rede oder wort sol sein ja und
nein Das man nit verstahn wölle / das er die meinung zugelassen hab. Christus ist eynfeltig ja
und nein / unnd alle die in eynfeltig suchen
/ werden sein Wort verstahn/ Amen.
Liebe Brüder und Schwestern im Herren / das sind die Artickel / die etlich Brüder bisher
irrig / und den waren verstand ungleich verstanden haben / unnd damit viel schwacher
gewissen verwirret / dadurch der nam Gottes gar gröslich verlestert ist worden / darumb
dann not ist gewesen / das wir vereynigt sind worden im herrn / Gor sey lob und preis / wie
dann geschehen ist.
Nu / dieweil ir reichlich verstanden habt / den willen Gottes jez mal durch uns geoffenbart
sein / wirt not sein / das ir den erkannten willen Gottes harriglich / unabgewelzt
vollnbringen / Dann ir wisset wl / was dem Knecht zu lohn
gehört der da wissentlich sündet.
Alles was is unwissentlich gethan und bekannt / haben unrecht gehandelt / das ist euch
verzihen durch das gleubig Gebet / welches in uns in der versammlung verbracht ist für
unser aller fehle und Schuld / durch die genedige verzeihung Gottes / und durch das blut
Jesu Christi / Amen.
Habent acht auff alle die nicht wandlen nach der einfaltikeit Göttlicher warheit / die in
diesem brieffe begriffen ist von uns in der versammlung / damit jedermann geregieret werde
unter uns / durch die regel des Bans / und furohin verhüt werde dee falschen Brüder und
Schwestern zugang unter uns.
Sondert ab von euch was bös ist /
so wilder Herr ewer Gott sein / und ir wedent seine Sne und Töchter sein.
Lieben Brüder seid eingedenck was Paulus seinen Titum vermanet / Er spricht also / Die
heilsam gnad Gottes ist erschienenallen / und züchtiget uns /das wir sollen verleugnen das
ungöttlich wesen / und die weltlichen lüste / und züchtigt / gerecht / und Gott selig leben in
dieser Welt / und warten auff diesebige Hoffnung und erscheinunge der herrligkeit de
grossen Gottes / und unsers heilandes Jhesu Christi / der sich selbs für uns gegeben hat /
auff das er uns erlöset von aller Ungerechtigkeit / unnd reiniget ihm selbs ein Volck zum
eigenthumb / das da eifferig were zu guten Wercken. Das bedencket / unnd
seient des geübet / so wird der Herr des friedens mit euch sein.
Der nam Gottes sei ewig gebenedeyet und hochgelobet / Amen. Der Herr gebe euch seinen
frieden / Amen.
Acta Schlatten am Randen auff Matthie / Anno M.D.XXVII.
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